EUROPEAN SCIENCE FOUNDATION EXPLORATORY WORKSHOP

EARLY SYMBOLIC SYSTEMS OF COMMUNICATION
IN SOUTHEASTERN EUROPE


KARLOVO, BULGARIA, 14-20 APRIL 2002, SUMMARIES
EUROPEAN SCIENCE FOUNDATION

PREHISTORY FOUNDATION
Vorschriftlichezeichen aus dem Frühchalkolithikum in Westbulgarien

Stefan Cochadžiev
Veliko Turnovo University, Veliko Turnovo, Bulgaria
s_choha@abv.bg

In diesen Ausführungen werde ich versuchen, eine Methode zur Erfassung der räumlichen Orientierung der Zeichen vorzuschlagen sowie den Ähnlichkeitsgrad zwischen den Zeichen aus Nordwest- und Südwestbulgarien zu verfolgen.
     Der frühchalkolithische Komplex “Gradeschnitza – Slatino – Dikilitasch” wurde nach den Namen der drei am besten erforschten Siedlungen genannt. Die Fläche des Komplexes umfaßt heutzutage Westbulgarien sowie die Mittelmeerküste zwischen den Flüssen Struma und Mesta.
     Die Homogenität der frühchalkolithischen Kultur in der ganzen oben umrissenen Region kann auf die intensiven Kontakte entlang den Flüssen Struma und Iskar zurückgeführt werden, bedingt durch das Vorhandensein primitiver vorstaatlicher Formen, von welcher Art wahrscheinlich die Stammesverbände gewesen sind. Diese Gesellschaftsstruktur mit nachweisbarer sozialer Hierarchisierung hatte einen Informationskodierungsbedarf. Dieser hat ein Symbolsystem ins Leben gerufen – Kommunikationszeichen, die ich als eine “Vorschrift” zu bezeichnen wage.
     Wie bereits etwähnt, sind die meisten der erhaltenen Zeichen auf den Böden der Gefäße aufgetragen. Diese Besonderheit ermöglicht eine unendliche positionelle Variation der Zeichen im Raum. Zur Überwindung dieser Schwierigkeit und zur vollwertigen Nutzung dieser Zeichengruppe müssen wir uns insbesondere solchen Gegenständen zuwenden, deren Zeichen über eine exakt festgelegte Position im Raum verfügen.
Gegenstände solcher Art sind z. B.: die kleine Platte (kleines Gefäß) aus Gradeschnitza; die kleine Platte aus Popitza; drei kleine Pyramiden, ein Quader, zwei Tongefäße, eine anthropomorphe Figur, ein Altartischchen, ein Backofenmodell und ein Spinnwirtel aus Slatino; ein Gefäßboden mit anthropomorpher Figur aus Waksewo, Tongefäße aus Waksewo und aus Djakovo.
     Vielleicht wurde die zu übertragende Information während des Neolithikums und des Chalkolithikums auf nicht dauerhaften Materialien wie Holz oder Leder aufgetragen, und die Mehrheit der Zeichen auf den Gefäßböden sind bloß “Schreibversuche” – eine Tradition, die nahezu für alle Epochen charakteristisch ist. Ihre große Menge und Vielfalt läßt sich nicht in den Rahmen einer primitiven Vorschriftlichkeit zwängen. Wichtig ist zu bemerken, daß die Zeichen auf den nichtstandardgemäßen Einzelgegenständen von einer ganz anderen Typologie sind, in der einige der meist anzutreffenden Zeichen auf Gefäßböden – z. B. Kreuze, Rhomben, Spiralen, Gitter, Mäander ect. – fehlen.
     Wie schon ausgeführt, erscheinen diese Zeichen bereits im frühen Neolithikum, ihre breiteste Anwendung findet allerdings während des frühen Chalkolithikums statt. Jüngste Forschungen zeigen, daß manche von ihnen in der Zeit konstant bleiben, das Mittelchalkolithikum überdauern, indem sie wahrscheinlich bis zur Mitte des Spätchalkolithikums weiterexistieren.
     Wahrscheinlich wurden in der zweiten Hälfte des Spätchalkolithikums wichtige gesellschaftlich-wirtschaftliche Wandel vollzogen, die zum Niedergang der “glänzenden” chalkolithischen Kultur geführt haben. Als wichtiger Bestandteil dieser Kultur verschwanden auch die frühchalkolithischen Zeichen, deren Evolution zu einer echten Schrift unterblieb.
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2002 ©The Author
Editor: Lolita Nikolova
All rights reserved. Published: 12/21/02
Since 12/21/02
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